Das neue Jahr hat begonnen. Ab jetzt wird alles anders. Mehr Sport, weniger Stress auf der Arbeit, mehr die Oma besuchen und endlich mal wieder in den Urlaub fahren. Solche Vorsätze wirken motivierend. Vor allem in der Silvesternacht, wenn man sie laut vor seinen Freunden ausspricht und Anerkennung dafür bekommt. Aber nach ein paar Tagen verwandelt sich die anfängliche Motivation in eine leichte Last. Dann macht die Arbeit Stress, der Urlaub muss wieder warten. Und der Besuch bei Oma schließlich auch. Beim Sport ist man dann gewesen. Ein paar Mal. Im Januar. Aber dann kam die Arbeit wieder dazwischen. Der Sport musste ausfallen.
Am Ende des Jahres schaut man schließlich frustriert auf die stressigen Monate zurück und nimmt sich vor: Nächstes Jahr wird alles anders.

Ich habe aufgehört, mich mit solchen Vorsätzen unter Druck zu setzen. Ich mag Silvester. Oder zumindest den psychologischen Wert, der hinter diesem Datum steckt. Am Ende des Jahres versuche ich die schönen Erlebnisse in meinem Gedächtnis aufzurufen. Dann fällt mir auf, dass oft die negativen Ereignisse in meinem Jahresrückblick präsent sind.
Es ist allgemein bekannt, dass sich der Mensch lieber beklagt, als dass er Gutes erzählt. Sich zu beklagen ist einfach. Man bekommt Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Mitgefühl. Schließlich geht es dem anderen ähnlich. Man sitzt gemütlich in einem Boot. Und am Ende kann man gemeinsam untergehen.
Das möchte ich für mich nicht. Ein schwieriges Jahr liegt hinter mir. Ich habe mich beruflich neu orientiert, bin schwer gestürzt und lag mit Schädelfraktur und Hirntrauma im Krankenhaus. Ich wurde von einem kranken Menschen gestalkt, meine Familie hatte einen Autounfall und meine Lieblingstante einen Gehirntumor. Ich litt die Hälfte des Jahres unter Liebeskummer, bin wenig ausgegangen und habe mich von Freunden und Bekannten zurückgezogen. Das alles hat mir viel von meiner natürlichen Fröhlichkeit und Leichtigkeit genommen. Und das möchte ich mir jetzt zurückholen.
Bevor ich aber wieder irgendwelche Vorsätze zu hoch stecke, startete ich 2014 mit einem ganz einfachen Vorhaben: Mehr lachen, mehr ausgehen, mehr Sex.

Lachen ist gesund. Ich bin bekannt für meinen sehr trockenen und schmutzigen Humor. Ich brauche ihn für den Erhalt meiner Lebensqualität und für mein Seelenheil. Wenn ich andere unterhalten kann und zum lachen bringe, macht mich das zu einem glücklicheren Menschen. Seit Ende letzten Jahres spiele ich wieder Theater und im Sommer gehe ich zurück an die Schauspielschule. Nicht, weil ich ,Actionstar‘ werden möchte, sondern weil es mir Spaß macht, ein gut bezahltes Hobby ist und perfekt mit meinem eigentlichen Beruf unter einen Hut passt.

Letztes Jahr habe ich mich sehr zurückgezogen. Das mache ich gerne, wenn es mir nicht gut geht. Letztendlich kann ich mir nur selbst helfen, weil ich weiß, was ich brauche. Ich sah wenig Nutzen im oberflächlichen Kontakt mit anderen Leuten. Was sollte es mir bringen? Auf Menschen, die mir nicht helfen können oder nur ,ach, das wird schon wieder‘ – Sprüche auf Lager haben, konnte ich gut verzichten. Jedenfalls dachte ich das immer.

Ich habe Freunde, mit denen ich in tiefe seelische Abgründe sehen kann und wo ich meine Trauer und Probleme zwischendurch parken kann. Das ist wunderschön und bringt mich oft zu neuen Erkenntnissen. Andererseits kann es auch extrem anstrengend sein, so tief in sich hineinzuschauen und mit Wahrheiten konfrontiert zu werden. Da kann ein ,ach, das wird schon wieder‘ von einem Bekannten auch mal extrem gut tun. Es bringt eine gewisse Leichtigkeit mit sich, ein Optimismus. Ich habe erkannt, dass auch oberflächliche Gespräche über Sylvie van der Vaarts Brüste ihre Berechtigung und ihren Mehrwert haben. Es ist lustig und befreiend.

Ich bin dieses Jahr schon sehr viel aus gewesen und habe Kontakt zu alten Bekannten und Freunden aufgebaut. Ich war auf Parties, auf Geburtstagen, viel im Theater und auf Konzerten und sogar auf Reisen. Meine Freundin hat mir zum Geburtstag ein Wochenende in Wien geschenktIMG_1834 und gerade habe ich meine Mama und meinen jüngsten Bruder mit einem Kurztrip an die Ostsee überrascht. Das direkte Umsetzen einer spontanen Idee tat richtig gut. In Zukunft möchte ich auch weiterhin meinen Jahresurlaub planen, aber gleichzeitig möchte bin ich offen für spontanes reisen, ausgehen und erleben.

Der Punkt ,mehr Sex‘ wird sich bei all den Vorsätzen von selbst erledigen.

 

 

 

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