Letztes Wochenende bin ich Taxi gefahren. Ich musste zu einem Job, hatte gefühlte 100 Taschen dabei und keine Lust, eine Stunde mit der U-Bahn zu fahren. Rufe ich mir ein Taxi, gebe ich an, dass ich Rollstuhlfahrerin bin, keine Hilfe beim Einstieg brauche und dass bei meinem Rollstuhl zur Not die Räder abgemacht werden können. Einen Aufpreis zahle ich für meinen Rollstuhl nicht.

Als ich aus meinem Tor zum Taxi rollte und den wild zerzausten Fahrer auf mich zutanzen sah, wusste ich schon, dass dies eine interessante Fahrt werden könnte.

Während des Einstiegs parke ich mich parallel zur Beifahrertür, stütze mich auf Sitz und Tür ab und schwinge meinen Hintern ins Auto. Dass das für jemanden, der solch eine Aktion noch nicht gesehen hat, komisch aussehen mag, ist völlig in Ordnung. Eine typische Reaktion des Beobachters ist, mir Hilfe anzubieten. Auch das ist völlig in Ordnung. Und beinah hätte ich wirklich Hilfe gebraucht, denn als der Taxifahrer sich zum ersten Mal äußerte, musste ich mich stark beherrschen, nicht loszulachen.

Da mir bei jedem Tweet nur 140 Zeichen erlaubt sind, habe ich die Reaktion „Ach, dit muss Ihn‘ doch nich unanjenehm sein!“, die mich schließlich doch hart zum Lachen gebracht hat, nicht mehr unterbringen können.

Das, was bei den meisten Menschen erst im höheren Alter einsetzt, nämlich die Phase, wo gerne und oft über Krankheiten geredet wird, durchlaufe ich schon seit meiner Jugend. Und auch das ist in Ordnung, denn ich weiß wirklich viel über Krankheiten.
Während meiner Taxifahrt habe ich z.B. erklärt bekommen, dass viele Menschen mit einer Querschnittlähmung gar nicht sprechen können.

Und ich habe erfahren, wo mein Taxifahrer sonst noch gearbeitet hat.

Bei dem Wording ‚Gehinderte‘ liefen mir schließlich die Tränen. Vor Lachen. Und Verzweiflung.

In Berlin bekommt man übrigens spontan kein barrierefreies Taxi. Will man z.B. mit einem E-Rollstuhl taxifahren, hat man ein Problem. Keine der etlichen Taxizentralen bietet ein Taxi mit Rampe oder einen extra Raum für einen Rollstuhl, Rollator oder andere Hilfsmittel. Auf meiner Suche im Netz bin ich auf eine Seite gestoßen, die ein (!) Taxi im ‚Londonstyle‘ anbietet. Dieses Taxi kann man buchen, muss sich aber einen Tag vorher anmelden. Spontanität sieht anders aus.

In New York werden zur Zeit viele Taxen erneuert und gegen barrierefreie Taxen ausgetauscht. Bei diesen Modellen fährt sich hinten eine Rampe raus und man hat die Möglichkeit, bequem in seinem Rollstuhl sitzen zu bleiben. Bis 2020 sollen 50% aller New Yorker Caps barrierefrei sein. Ich frage mich, warum das nicht in Deutschland umgesetzt wird? Menschen mit Behinderung sind doch potentielle Kunden, die Geld einbringen.