Es ist etwas Ruhe eingekehrt. Während mich der letzte Monat und Zyklus etwas überforderte, habe ich die ersten zwei Wochen im April die Eier(stöcke) geschaukelt und viele schöne Dinge für mein Ego getan: Ein Radiointerview, ein Fotoshooting, Kinobesuche.

Und ich bastele gerade an meiner eigenen Website. Da ich das Websitebasteln jedoch genauso gut beherrsche, wie das Laufen, werde ich damit wohl erst im Jahr 2021 fertig werden. Nach unzähligen Nervenzusammenbrüchen.

Es bleibt spannend und es ist mal wieder Zeit für Frau Gehlhaars Monatszyklus.

Monatshighlight

Warum ich ‚geheilt werden‘ scheiße finde, Berlin manchmal hasse und als Bloggerin auch ganz einfach meinen Geltungsdrang stille. Darüber und mehr habe ich am 11.04 bei meinem Radiosender des Vertrauens gesprochen. Dominik Schottner führt bei der Sendung Dopplekopf Regie und kam zu mir in meine Wohnung in Friedrichshain, meine Wohlfühloase, mein Tempel, meine Ansammlung an Erinnerungen. Er stöberte durch mein Bücherregal, durfte die original Hamletkrone kurz berühren und aß eine meiner selbst gebackenen gekauften Schnecken.
Und am Ende geht es dann natürlich auch mal wieder um Sex, mein Steckenpferd, mein Fluch und Segen zugleich. „Warum redest du so viel über Sex?“, wurde ich in letzter Zeit oft gefragt. Die Antwort: Ich rede nicht mehr und nicht weniger über Sex als andere. Ich mache es einfach nur öffentlich.

Das ganze Interview aus meinem Wohnzimmer bei detektor.fm!

Monatsbegegnung

Dass Andi Weiland mit Leidenschaft fotografiert, weiß man. Dass er diese Leidenschaft über das letzte Jahr in Professionalität umwandelte, durfte ich in diesen Tagen mal wieder selbst erfahren. Ich bin stolz auf meinen guten Freund und Kollegen, dass er weiß, wo eines seiner vielen Talente liegt und dieses mit Herzblut ausleben kann. Und natürlich profitiere ich auch sehr davon. Vor genau einem Jahr traf ich mich schon einmal mit Andi für ein kleines Fotoshooting. Auf dem RAW-Gelände, Friedrichshain, neben dem Showplatz eines Pornodrehs.

Heute, ein Jahr und viele Fotos später, trafen wir uns erneut und das kam unter anderem dabei raus:


Laura Gehlhaar

Laura Gehlhaar

Laura Gehlhaar

Monatsentdeckung

Ab und zu gehe ich ins Kino. Alleine. Vorher schmiere ich mir ein Butterbrot oder kaufe mir salziges Popkorn für einen Euro bei mir im Späti. Ich liebe es, alleine ins Kino zu gehen. Ich muss mir um meine Begleitung keine Gedanken machen, ob ihm/ihr der Film gefällt und kann einfach abbrechen, wenn mir nicht gefällt, was ich sehe. Oft ernte ich Verwunderung oder gar mitleidige Blicke, wenn ich mit meinem Kinoalleingang irgendjemandem auffalle.

An einem Sonntag habe ich aufs gute Wetter und auf schlechte Kritik gesch***en und habe mir Clint Eastwoods American Sniper angesehen. Nur am Rande bekam ich die heißen Debatten mit, die der Film ende Februar während der Oscars ins rollen brachte. Er sei kriegsverherrlichend, sagten die einen. Andere feierten ihn als patriotischen Heldenepos. Ich kann mich weder den einen, noch den anderen anschließen. Kriegsfilme, in denen amerikanischer Patriotismus gefeiert wurde, gab es schon viele. Stutzig machte mich lediglich die Darstellung des Protagonisten, Chris Kyle, gespielt von Bradley Cooper, der durch Clint Eastwood zur moralischen Instanz, zum Helden stilisiert wird, weil er im Krieg offiziell 160 Menschen als Scharfschütze getötet hat. Mit dem Gedankengang, dass jemand ein Held sein soll, weil er Leben ausgelöscht hat, gehe ich nicht mit.
Und dennoch hat mich lange kein Film mehr so gefesselt, wie American Sniper. Und das lag vor allem an Bradley Cooper, der den Elitesoldaten der Navi Seals so authentisch rüberbringt mit seiner Körpergröße, Körpermasse, dem bekannten Dackelblick und der Einstellung des patriotischen Beschützers, der am Ende an sich selbst scheitert.

Nicht alleine, sondern mit meinem alten und besten Schulfreund sah ich mir den Film Still Alice an über eine Sprachwissenschaftlerin, dreifache Mutter, die mit Anfang 50 die Diagnose Alzheimer bekommt. Langsam beobachtet der Zuschauer, wie die Krankheit Alice mehr und mehr vergessen lässt, wen sie liebt, für was sie lebt und schließlich wer sie ist.
Julianne Moore bekam für die Rolle der Alice den Oscar. Verdient, wie ich fand. Jedoch kratzt der Film nur an der Oberfläche und lässt wichtige Faktoren, wie gesellschaftliche Vorurteile oder finanzielle Gestelltheit komplett außen vor. Symptome, wie eine Shampooflasche in den Küchenschrank räumen oder im eigenen Haus die Toilette nicht finden, sind wohl bekannt und lieferten mir keine neuen Wissensstände über die Erkrankung. Auch dass die Mutter, Alice, ihre frühzeitige Alzheimererkrankung zu 50% an ihre Kinder vererbt haben könnte, wird im Film sehr schnell abgehandelt. Als eine ihrer Töchter ebenfalls mit dem mutierten Gen diagnostiziert wird, ist die Sache schnell abgehakt. Daraus resultierende Familienprobleme, das Thematisieren von Zukunftsängsten oder welche Auswirkungen das auf die Schwangerschaft der betroffenen Tochter haben könnte, werden (un)bewusst übergangen.
Am Ende lebt der Film und die allgemeine Angst vor der Krankheit durch drückende, langgezogene Szenen, die mich sehr gefesselt haben.

Letztes Jahr sah ich hierzu die Reportage Leben, Lieben, Vergessen…Alzheimer mit 40 im WDR über eine Frau, die ebenfalls sehr früh die Diagnose Alzheimer bekam. Der Film nahm mich emotional sehr mit, sodass ich irgendwann nur noch heulend vor dem Fernseher saß und mir heimlich wünschte, dass niemand, den ich kenne und liebe, jemals mit dieser berechnenden Krankheit leben muss.

Monatssong

Mein Cousin ist mein Seelenverwandter. Wir kennen und leben die Dialoge von Mulder und Scully jeder Akte X – Folge, singen die Lieder von Björk ohne Melodie und bereisten zusammen die USA. Wir fuhren mit Cabriolet den Hollywood Boulevard entlang und grölten zu Grönemeyers ‚Bochum‘ der Sonne entgegen.

„Bei dem Lied muss ich immer an meine geile Cousine denken und stelle mir vor, wie sie nachts alleine in einer neonlichtdurchfluteten U-Bahn sitzt, die ganze Nacht getanzt hat und jetzt zurück in Richtung Bett ist und über ihr Leben nachdenkt. Ich lasse das mal so stehen.“, schrieb mir mein Cousin am späten Freitag Abend. Er weiß, was ich mag. Er liebt mich und ich liebe ihn.

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