Ein nervöses Gefühl beschlich mich, als die Glocken den ersten Juni und somit meinen altbekannten Schreckensmonat einläuteten. Schlimme Dinge passieren im Juni: Freunde und Wegbegleiter sterben, Schädel brechen, Herzen auch. Der Juni war immer mein persönliches, kleines Arschloch. Umso erstaunter war ich, als sich diesen Monat pö-a-pö ein nettes an ein schönes an ein wunderbares Ereignis kettete und mein kaltes, vertrocknetes Herz zaghaft, aber stetig zum leuchten brachte.

Das Universum schickte mir tolle und engagierte Menschen, die ich nun auf meinem neuen und unglaublich coolen Arbeitsplatz kennenlernen darf, interessante Jobs, an denen ich gewachsen bin und die mich die nächste Zeit ruhiger schlafen lassen werden.

Und vielleicht will sich der Juni mit diesen Begegnungen und schönen Momenten einfach wieder mit mir versöhnen.

Monatshighlight

Seit Januar 2014 arbeite ich selbständig. Ich habe keinen festen Arbeitgeber und keine festen Arbeitszeiten. Ich habe mich damals bewusst zu diesem Schritt entschieden und bin sehr glücklich damit. Der Druck von Arbeitgebern und Deadlines ist weniger geworden, da ich jetzt selbst entscheide, wer mein Arbeitgeber sein soll und mir die Deadlines selbst setze. Das ist nicht nur gut für die Seele, sondern wirkt sich auch entspannt auf meinen Körper aus. Niemand hetzt mich mehr, ich kann meinem Körper und vor allem meinen Rücken die Pausen geben, die er braucht und spüre die positiven Konsequenzen jeden Tag. Ich habe nur noch sehr selten Rückenschmerzen und bin rundum ausgeschlafener.
Meine größte Herausforderung liegt darin, mich selbst zu disziplinieren und morgens den müden Schweinehund zu überwinden, um überhaupt etwas gebacken zu kriegen. Und dann ist da noch der Umgang mit der Einsamkeit. Schreiben macht einsam. Ich sitze an meinem Mac und bin alleine. Natürlich treffe ich Freunde, gehe aus oder erledige meine alltäglichen Dinge, wie Einkaufen, Sport oder Physiotherapie. Aber tagsüber verbringe ich allein und nur mit meinen Texten. Ich habe noch nicht einmal eine Muschi (Katze), obwohl ich bei Twitter bin.
Auch drohte ich immer mehr zu vergammeln, denn – mal ganz ehrlich Hand aufs Herz – wer verschwendet denn eine ganze wertvolle Stunde damit, sich morgens zu duschen und schick anzuziehen, wenn man die Bude sowieso nicht verlässt?! Also ich nicht!

Doch dieses Lotterleben hat nun endlich ein Ende. Und Schuld daran ist ein Typ namens Claudio. Claudio ist Mitbegründer der Blogfabrik, einem traumhaft schönen Ort, wo sich BloggerInnen aus Berlin begegnen, austauschen und an ihren individuellen, kreativen Ideen arbeiten können. BloggerInnen, wie Notes of Berlin, renk.MagazineiheartberlinAMY & PINKpaperboatsINDIE MagazineArtconnect BerlinFinding BerlinDas FilterCRAFTRADNothing but Hope and PassionTANZKINDim gegenteilFvck Lucky Go Happy und einige mehr haben hier die Möglichkeit, das Magazin mit dem besten Namen Daily Bread Mag mit Inhalt zu füllen und als Gegenzug einen der wohl schönsten Coworkingspaces in Berlin zur Verfügung gestellt zu bekommen. 

Das Daily Bread Mag ist ein Onlinemagazin, bei dem jede/r BloggerIn über sein/ihr Spezialgebiet schreiben wird. Die Frau Gehlhaar wird in diesem Zuge also versuchen, das Thema Behinderung an die große Masse zu bringen, zu sensibilisieren und Berührungsängste abzubauen. Und das mit Spaß, den nötigen Lebenserfahrungen und ganz viel Humor. 

Und deshalb heißt es ab sofort: Duschen, Klamotten an, aufs Pferd schwingen und ab zum Schreiben in die Blogfabrik!

Christoph Neumann - www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann – www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann - www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann – www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann - www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann – www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann - www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann – www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann - www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann – www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann - www.christoph-neumann.com

Christoph Neumann – www.christoph-neumann.com

Monatsbegegnung

„Würdest du auch bloggen, wenn du keine Behinderung hättest?“, wurde ich vor kurzem von einer Journalistin gefragt. Es war nicht das erste Mal, dass mir diese Frage gestellt wurde. Und bis heute habe ich keine Antwort. Bis heute habe ich mir bewusst keine Gedanken darüber gemacht, was ich ohne meine Behinderung täte. Ich frage mich ja auch nicht, was ich ohne meine blonden Haare oder mein weibliches Geschlecht machen würde. Das alles gehört nunmal zu mir, prägt meine Persönlichkeit und mein Handeln.
Ich blogge, weil ich gerne schreibe, mich gerne mitteile und auf sehr einfache Art auch meinen Geltungsdrang stille. Ich blogge nicht über Mode, weil ich kein Gespür für Trends habe. Einen Food-Blog habe ich auch nicht, weil ich das Kochen genauso gut beherrsche, wie das Laufen. Nämlich gar nicht.
Wenn man sich ein Thema aussucht, über das man schreiben möchte, sollte es unbedingt etwas sein, woran man Spaß hat, für das sein Herz schlägt und woran man im Idealfall wachsen kann. Es bereitet mir Spaß, mich mit dem Thema Behinderung auseinanderzusetzen, weil ich vor allem über mich selbst lachen kann. Sehe ich, welche Rechte ich und andere Behinderte in Deutschland nicht haben, ordne ich diesem Thema sogar einen hohen Grad an Wichtigkeit zu. Und wenn es mein Blog irgendwie schafft, aufzuklären und zu sensibilisieren, was diese Thematik angeht, dann passt das super zu meinem Spaß, mich mit meiner Behinderung „auszutoben“.

Monatsfacts

„Seit drei Jahren.“ habe ich geantwortet, wenn ich gefragt wurde, wie lange ich denn schon im Rollstuhl sitzen würde. In meinem ersten Berlinjahr wurde mir diese Frage, im Vergleich zu heute, sehr oft gestellt. Ich war viel unterwegs, viel feiern und habe viele neue Leute kennengelernt. Das ganze ist nun schon sieben Jahre her. Und wenn ich jetzt drei und sieben zusammenrechne, komme ich nach ein paar Minuten auf die Zahl Zehn.
Vor zehn Jahren bekam ich meinen ersten Rollstuhl. Meine Rückenmuskulatur konnte mich nicht mehr tragen, ich bekam einen heftigen Bandscheibenvorfall mit Konsequenzen, die ich bis heute mit mir herumtrage.
Ich erinnere mich noch gut, wie man ihn mir vor meine Nase schob und sagte: „Dann mal reingehüpft!“ Mir war so gar nicht nach Hüpfen zumute. Ich sah meine Lieblingstante an, die mir liebevoll zunickte.
Gemütlich war er, schwer und die Greifreifen kalt. Da klebte ein Fremdobjekt unter meinem Hintern und ich fühlte mich unwohl, es mit meinen Händen anzufassen und fortzubewegen. Ich fühlte mich schwach und das war mir peinlich.
Es dauerte ein paar Tage, bis ich mich traute, alleine ein paar Strecken zurückzulegen und noch mehr Tage, bis ich mich raus in die Öffentlichkeit wagte.
Und schließlich war es vor allem der natürliche und lockere Umgang von Freunden und Familie, der mir gar keine Möglichkeit gab, als ebenfalls natürlich und unkompliziert mit meiner neuen Situation umzugehen. Aus dieser Natürlichkeit wuchs das Bewusstsein für die neue Beweglichkeit und brachte die Selbstverständlichkeit hervor. Ich lernte schnell, die vielen Vorteile, die mir der Stuhl ermöglichte, zu nutzen und begriff, dass die sitzende Fortbewegung meinem Körper und meiner Seele gut tat. Ich hetzte nicht mehr von einem Ort zum anderen, um schnell wieder meinen Rücken vom Gehen zu entlasten, ich suchte nicht mehr verzweifelt nach Bänken in der Stadt, wenn ich mit Freunden unterwegs war. Ich lernte, zu entspannen und den Moment mehr zu genießen.
Ich kann mir mich ohne Rollstuhl heute nicht mehr vorstellen. Er ist ein Körperteil von mir geworden. Mein Rollstuhl ist maßgeschneidert, er ist leicht und wendig, er steht mir und er heißt Manfred.

Monatssong

Ein bisschen Sorgen um mein Seelenheil haben sich damals meine Eltern gemacht, als ich anfing, sehr oft und sehr laut Björk zu hören. Von ihrem Album Debut, über Medúlla bis hin zum aktuellen Album Vulnicura, ist alles in meiner Playlist vertreten. Sie ist talentiert, durchgeknallt und bleibt sich mit einer Leck-mich-am-Arsch-Attitüde treu. Ich möchte das. Und im August werde ich Björk DAS ERSTE MAL LIVE SEHEN!*

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=gQEyezu7G20&w=560&h=315]

*ohnmächtig geworden