Sie mögen denken „Na super, kaum hat die Gehlhaar ein bisschen Lob für lausige Blogtexte geerntet, legt sie sich auf die faule Haut. In die Sonne. Frisst den ganzen Tag und säuft ab 16 Uhr den besten Wein.“ Und ich kann Ihnen eins sagen, liebe Leserinnen, lieber Leser: Sie haben recht. Denn genau das tat ich. Für einen Monat habe ich mich ausgeklinkt, meine 17 Sachen gepackt und der Großstadt mit all ihrem Lärm und Schmutz und hektischen Leuten den Rücken gekehrt. 

Der Mann hat mich ins Auto gepackt, ist mit mir erst ins schöne, etwas ruhigere NRW zu meinen Eltern gefahren und hat mich dann den ganzen Weg runter nach Italien geschaukelt. Über das Rheinland, durch die Schweiz, über den San Bernadino, rein nach Piemont, Italien, und weiter in die Toskana. Und das wird kein detaillierter Reisebericht, sondern Frau Gehlhaars Monatszyklus mit einem schönen Highlight, wo ich noch ein bisschen über den Urlaub erzähle, zwei informativen Monatslinks und einem Ohrwurm, der definitiv noch lange über diesen Monat hinausgehen wird.

Monatshighlight

Noch keine zwei Stunden saßen der Mann und ich im Auto, als sich abrupt ein wohliges Glücksgefühl einstellte und wir gemütlich und bei blauem Himmel mit Romano in den Ohren auf der Bundesstraße den Rhein im Rheinland entlangfuhren. Es war der Beginn der schönsten und lustigsten Autofahrt in meinem Leben. Mit einem großen Picknickkorb (danke Mama & Papa) und ganz viel Kanye West ließen wir die Autobahn einen großen Teil der Strecke links liegen und nahmen die sich verändernde Vegetation von Deutschland über die Schweiz nach Italien bewusst wahr. Bäume veränderten sich, Berge wurden größer, dann wieder kleiner, Straßenschilder warnten uns vor Steinböcken und an den Raststädten wechselten wir die Sprachen und manchmal auch die Dialekte.

Und da der Mann die besten Ideen hat und Herr der Route war, schlug er vor, über den San Bernadino Pass im schweizerischen Kanton Graubünden zu fahren. Meter für Meter schlängelte sich die Straße nach oben. Bäume und Gras wurden von Meter zu Meter weniger und bald von Steinen und Schnee abgelöst. Die Luft wurde dünner und auf 2.065m Höhe brauchte ich ein Sauerstoffzelt. Vor Freude. Denn es gab Internet! Und den schönsten (und einzigen) Bergsee, den ich bisher in meinem Leben gesehen habe.

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Nach zwei Pensionen an der Schweizer Grenze und im italienischen Piemont, fuhren wir das Kontrastprogramm auf und es ging weiter auf einen Biobauernhof mit eigenem Gemüse- und Obstgarten, Ziegen, Hühnern und einer schwarzen Katze. Jeden Tag kochten wir unser Essen selbst und tranken den besten Wein. Und das war eine der besten Erkenntnisse der Zeit: die Selbstverpflegung! Anders wie in den Pensionen, wo wir uns abends ein Restaurant suchen mussten – auch wenn das sehr gute Restaurants mit original italienischen Zutaten waren – hatten wir auf dem Bauernhof nicht mehr das Gefühl, „gefüttert“ zu werden, weil wir selbst wählen konnten, welche Zutaten wir wie und wann zubereiten wollten. Und von nun an werden wir für anstehende Urlaube nur noch Unterkünfte ansteuern, die über eine benutzbare Küche verfügen. Auch um ein gutes Gefühl für die Lebensmittel zu kriegen, die je nach Land ortstypisch und traditionell sind.

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Monatserkenntnis

Für meine zarten 32 Jahre bin ich, glaube ich, schon ganz gut rumgekommen. Ich war auf den Kontinenten (außer Australien) unterwegs und habe mir viele europäische Städte angesehen. Meine Eltern sind immer gern verreist und haben mich und meine Brüder schon als Babys mit auf große Reisen genommen. In meiner Kindheit haben wir dann viel „Strand-Urlaub“ gemacht und somit war meine Idee von Urlaub auch immer das typische Sonne-Sand-Strand-Gefühl zu bekommen.
Erst im Laufe der Zeit und durch Reisen alleine oder mit Freunden, erkannte ich für mich, dass Urlaub mehr ist als „einfach mal die Seele baumeln lassen“ oder „eins mit der Natur werden“. Für mich bedeutet Urlaub in erster Linie, sich für eine bestimmte Zeit von seinem Alltag und gewohnten Ritualen zu lösen, sich auf etwas neues, fremdes einzulassen, andere Lebensmittel zu essen, andere Menschen zu beobachten und mir Dinge, wie Berge, Seen oder Tiere anzusehen, die ich in meiner Alltäglichkeit nicht sehe oder bewusst wahrnehme.

Monatslink

Wenn ich verreise und an einem anderen Ort ein mir fremdes Badezimmer benutzen möchte, ist das immer eine kleine Herausforderung. Informiere ich mich vorab in Hotels, Pensionen oder bei Privatleuten über die Badezimmergegebenheiten, lasse ich Begriffe, wie behindertengerecht, barrierefrei und/oder rollstuhlfreundlich meistens weg, da jede/r etwas anderes darunter versteht. Vor meinem Urlaub habe ich mir deshalb Fotos von den jeweiligen Badezimmern schicken lassen, um genau abschätzen zu können, wie breit/eng/hoch die Dusche/Badewanne/Toilette ist. Denn während mir die regulären, sehr hohen Behindertentoiletten jedesmal den Spaß beim Toilettengang verderben, weil ich aufgrund ihrer Höhe wenig Halt habe, ist es für mich wiederum ohne Probleme machbar, in eine engere Dusche mit einer Stufe davor zu kommen. Aufgrund dessen lasse ich mich auch nicht abschrecken, wenn kein rollstuhlgerechtes Zimmer mehr frei ist, da ich je nachdem auch in einem regulären Zimmer ganz gut mobil sein kann.
In den letzten zwei Monaten war ich in vielen unterschiedlichen Badezimmern in Deutschland, der Schweiz und in Italien unterwegs. In kleinen Hotels und Privatunterkünften. Und jedes Mal kamen mir neue Ideen und Inspirationen, wie ich mein eigenes zukünftiges Badezimmer für meine Bedürfnisse optimal gestalten könnte.
Mein jetziges Badezimmer ist sehr klein, aber fein. Seit fast sechs Jahren verbringe ich viel Zeit in diesem schönen, blauen Bad mit vielen Bildern an der Wand und einer Lichterkette um den großen Spiegel. In meinem Badezimmer ist es immer warm und ich musste vor ein paar Jahren erst aus dem Rollstuhl fallen, um zu entdecken, dass ich sogar eine Fußbodenheizung habe.
Und dennoch würde ich einige Dinge bei meinem nächsten Badezimmer anders machen: Eine größere Dusche mit Klappsitz (jetzt habe ich nur einen Hocker in der Dusche stehen), ein höhenverstellbares Waschbecken und eine Badewanne (!) mit höhenverstellbarem Stuhl.
Bei meiner Recherche im Netz bin ich schließlich über diesen Link gestoßen, wo auch nochmal erklärt wird, was die Begriffe behindertengerecht, barrierefrei oder seniorengerecht beim Umbau von Badezimmern eigentlich bedeuten und wie man diesen Umbau genau planen kann.

Und wo ich schonmal dabei bin, mein komplettes Bad imaginär umzubauen, mache ich mit meiner Küche gleich mal weiter: Meine Küche ist niedriger als normale Küchen. Der Herd geht mir knapp über den Bauchnabel, sodass ich in alle Töpfe mühelos reingucken kann. Kurz gesagt: Ich habe eine Hobbit-Küche. Meine größte Herausforderung ist das Erreichen meiner oberen Schränke, da ich weder aufstehen, noch etwas schweres von oben nach unten heben kann. Somit habe ich alle Sachen, die ich täglich brauche, in den unteren Schränken und Schubladen, während ich oben nur Dinge lagere, die ich selten brauche. Aber liebe Leserinnen und Leser, bitte bedauern Sie mich nicht, denn ich koche sowieso nie! Nicht weil ich es nicht könnte, sondern weil ich es nicht will. Ich hasse nämlich kochen. Ich bin Gastronomentochter und bekomme seither immer nur das beste Essen vor die Nase gestellt. Ich musste mich nie um gutes Essen bemühen, da ich es einfach immer vorgesetzt bekam. Ich weiß, es ist traurig, aber was soll ich machen? Und nun habe ich auch noch einen Mann, der wahnsinnig gut kochen kann. Es ist ein Kreuz! Nur noch aus reiner Höflichkeit frage ich den Mann, ob ich irgendetwas schneiden oder anbraten soll. „Nein, lieber nicht“ bekomme ich als Antwort.
Und dann schmerzt es mich leicht zu sehen, wie jeder großgewachsene Mensch in meiner Hobbit-Küche beim Kochen immer halb nach unten gebückt stehen und mit den Töpfen hantieren muss. Hätte ich vorher gewusst, dass es Arbeitsplatten gibt, wie Herd und/oder Spülbecken, die auf Knopfdruck höhenverstellbar sind, hätte ich mich von Anfang an für diese Variante entschieden.
Ich habe hier eine sozusagen inklusive Küche entdeckt. Die Seite zeigt auf, welche Voraussetzungen und Anforderungen die rollstuhlgerechte Küche, die seniorengerechte Küche und sogar die blindengerechte Küche jeweils haben sollten. Bei letzterer Kategorie sollen Blinden und sehbehinderten Menschen akustische Signale dabei helfen, um das Ende einer Backzeit anzuzeigen oder zu warnen, wenn beispielsweise eine Herdplatte angelassen wurde.
Zum Schluss ist mir noch positiv aufgefallen, dass die Fotomodelle auf den unteren Bildern wirklich RollstuhlfahrerInnen zu sein scheinen. Oft passiert es noch, dass Leute, die ganz offensichtlich keine Behinderung haben, in viel zu große Krankenhausrollstühle gesetzt werden und für das Bild den/die Behindert/e spielen müssen. Geht es um Barrierefreiheit und speziell um Barrierefreiheit in Küche und Bad, wirkt es natürlich gleich authentischer, wenn echte und auch gerne mal junge RollstuhlfahrerInnen, beim Kochen oder Waschen fotografiert werden.

Monatssong

„HELLO FROM THE OTHER SAAAAIDE…!“ So geht es seit einigen Tagen jeden Tag. Ich mag Adele und ich liebe diesen Song. Es werden wohl noch weitere Tage vergehen bis dieser Monatssong von einem anderen Lied abgelöst wird. Es tut mir leid, liebe NachbarInnen.