Kurz vorm Sommerloch habe ich mir meine Mama eingepackt und bin mit ihr nach Juist gefahren. Juist – die schönste Nordseeinsel und das von meinen Eltern am meist angesteuerte Urlaubsziel meiner Kindheit. Juist war für mich als Kind der größte Abenteuerspielplatz. Schlafenszeiten und andere Verpflichtungen existierten auf der Insel nicht.
Wenn  mir heute auf der Straße der Wind durch die Ohren pfeift oder ich höre, wie große Stofffahnen durch den Wind an ihre Mäste geschlagen werden, schaltet mein Gehirn automatisch in den Juister Erinnerungsmodus.

Ganze 20 Jahre war ich nicht mehr auf Juist. In diesen 20 Jahren habe ich aber oft an die schönen Zeiten auf Juist gedacht. Es ist nicht so, dass ich Juist je bewusst vermisst habe oder ständig daran dachte, irgendwann noch einmal dorthin zurückzukehren. Es kam mir noch nicht mal in den Sinn, Juist als Reiseziel vorzuschlagen, als meine Mutter und ich unseren alljährlichen Urlaub planten. Ich wollte nach Formentera. Doch dieser Vorschlag wurde kurz und knapp zerschlagen, als meine Mutter verkündete, aus Angst vor Terroranschlägen nie wieder fliegen zu wollen. „Lass uns mal lieber mit dem Auto fahren. Dann können wir wenigstens schön singen und Päuschen machen!“

Mit meiner Mama stundenlang im Auto zu sitzen und zu Celine, Whitney oder Mariah zu singen, war ein guter alternativer Plan. Doch die erste und vielleicht größte Enttäuschung des ganzen Urlaubes, tischte sich schon auf, als mich meine Mutter vom Düsseldorfer Hauptbahnhof abholte:

 

 

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„Mir tut es beim Atmen weh. Genauso fängt bei mir ne Gallenkolik an.“

„Ich kann nicht schlafen. Ich hatte bestimmt schon über 20 Hitzewallungen.“

„Ich kann nicht schlafen. Mein Knie.“

„In diesem Aufzuglicht sehe ich immer krank aus.“

„Ich sehe aus, als hätte ich die Schwindsucht. Das ist dieses Aufzuglicht.“

„Ich sehe aus, als wäre ich tot krank. Das liegt am Aufzuglicht.“

„Bei diesem Licht im Aufzug bekomme ich Depressionen.“

„Mein ganzer Körper juckt. Das liegt an dem Mückenstich.“

Ich liebe die Zeit mit meiner Mutter und merke – auch wenn ich immer dagegen angekämpft habe – dass ich ihr immer ähnlicher werde. Und das ist gar nicht mal so schlimm, denn meine Mama ist ne ziemliche Bombe. In jeglicher Hinsicht.

*In der juister Touristeninformation kann man zwischen zwei verschiedenen Strandrollstühlen wählen, um gemütlich bis ins Meer zu fahren.