Großstadt

Tschiller – der Traum

Es hämmert an meiner Tür. Nick Tschiller kommt rein: „Kmm Lra, wir mssn Menschn rettn!“ „Wie bitte?“ „Kmm Lra, wr mssn Menschn rettn!“ Ich verstehe ihn nicht. Aber ich habe auch keine Zeit. Ich muss los, Menschen retten.

— 10. März 2014

Ich ziehe meine Uggs an. Ich erinnere mich, dass ich schon mit 14 Jahren die ersten Uggs besaß, weil sie die Anderson in Baywatch trug. Und jetzt bin ich sie.

Tschiller rast über die Straßen und ignoriert rote Ampeln. Wie so oft lehne ich meinen Kopf an seine Schulter und frage, warum seine Schläfe blutet? »Dawasn Tüp und dewollte Strss!« Ich verstehe ihn nicht. Aber das ist egal, denn es sind immer die gleichen Geschichten: Da war ein Typ und wollte Stress.

Tschiller legt seine Hand auf meinen Oberschenkel. Er braucht nur eine Hand zum Fahren, Schalten und zwischenzeitlich hektischen Manövrieren. Mich macht das an.

Als wir am Tatort ankommen, fällt mir auf, dass wir meinen Rollstuhl vergessen haben. Tschiller besorgt mir schnell einen neuen und setzt mich hinein.
Neben der schrecklich zugerichteten Leiche steht ein Mann. Ich fragt mich, ob er wohl zu uns gehörte. „Ey Mann, göhrsu zuns?!“, kommt mir Tschiller zuvor.
Der Mann sieht verwirrt aus. Er scheint sich bei irgendetwas ertappt zu fühlen. Ich weiß, dass Verwirrung, Panik und Angst zu einer unüberlegten Reaktion führen würde. Es ist jedoch keine Zeit mehr, das alles Tschiller zu erklären. Denn augenblicklich zieht der Mann eine Waffe, packt mich von hinten und hält mir die Waffe an den Kopf. Tschiller zieht im selben Moment zwei Waffen und richtet sie jeweils auf die Augen des Mannes.

»Lassi geeen!«, ruft Tschiller und schießt dem Mann in die Augen. Ich sackt mitsamt der Leiche zu Boden. Tschiller rennt zu mir. Sanft wischt er mir Haare und Blut aus dem Gesicht. Ängstlich und verliebt sehe ich ihm in die Augen. Jetzt blutet auch seine andere Schläfe. Warum, weiß ich nicht.

Tschiller hebt mich hoch und trägt mich ein paar Meter von den Leichen weg.

Dann hatten wir Sex.

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